Die Diskussion um eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung läuft auf Hochtouren – und auch die Versicherten selbst haben dazu eine klare Meinung. Eine aktuelle Befragung unter mehreren hundert gesetzlich Versicherten zeigt, welche Maßnahmen auf Zustimmung stoßen und welche nicht.
Steuern auf Alkohol, Tabak und Zucker finden Zustimmung
Bei sogenannten Lenkungssteuern zeigen sich die Versicherten erstaunlich aufgeschlossen: Rund zwei Drittel halten eine höhere Steuer auf Spirituosen für sinnvoll. Auch eine Anhebung der Tabaksteuer befürworten knapp 60 Prozent, und mehr als jeder Zweite spricht sich für eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke aus.
Diese Zustimmung passt zu einer Entwicklung, die im Gesundheitswesen ohnehin diskutiert wird: Das System soll stärker auf Vorbeugung ausgerichtet werden. Allerdings wirken solche Maßnahmen vor allem langfristig. Um kurzfristig spürbare Effekte auf die Finanzlage der Krankenkassen zu erzielen, müsste vor allem an den laufenden Ausgaben angesetzt werden.
Höhere Zuzahlungen kommen schlecht an
Ganz anders sieht die Zustimmung bei Maßnahmen aus, die Versicherte direkt im Portemonnaie spüren würden. Eine Erhöhung der Patientenzuzahlungen lehnen rund 84 Prozent ab, eine Kürzung der Zuschüsse beim Zahnersatz immerhin 80 Prozent. Hier ist die Akzeptanz also deutlich geringer als bei allgemeinen Verbrauchssteuern.
Zusatzversicherungen: Wenig Bewegung, aber ein Teil wird aktiv
Bei der Bereitschaft, zusätzliche private Absicherungen abzuschließen, hat sich für die Mehrheit – etwa die Hälfte der Befragten – bislang nichts verändert. Knapp ein Fünftel zeigt sich grundsätzlich offener für eine zusätzliche Absicherung, und etwa jeder Zehnte gibt an, aufgrund der aktuellen Reformdiskussion konkret eine Zusatzversicherung abschließen zu wollen.
Skepsis überwiegt
Insgesamt bleibt die Erwartungshaltung der Versicherten gedämpft: Nur eine kleine Minderheit glaubt, dass die diskutierten Maßnahmen tatsächlich zu stabilen Beiträgen führen werden. Die überwiegende Mehrheit rechnet kurzfristig mit steigenden Beiträgen, und auch mittelfristig erwartet eine deutliche Mehrheit weitere Erhöhungen – oft ohne entsprechende Verbesserung der Leistungen. Fast jeder Zweite geht sogar davon aus, dass sich die Versorgung in den kommenden Jahren eher verschlechtern wird.
Fazit
Die Umfrage zeigt ein gespaltenes Bild: Bei Maßnahmen, die andere oder das eigene Verhalten betreffen, ist die Zustimmung hoch. Sobald es um direkte finanzielle Mehrbelastungen geht, sinkt die Akzeptanz deutlich. Gleichzeitig wächst bei einem Teil der Versicherten das Interesse an zusätzlicher privater Absicherung – ein Trend, der sich angesichts der allgemeinen Erwartungshaltung kaum verwundern dürfte.