Wer sich selbstständig macht, steht früher oder später vor der Frage: gesetzlich oder privat versichern? Eine pauschale Antwort gibt es nicht – aber einige Punkte sollten in jedem Fall auf dem Tisch liegen, bevor eine Entscheidung fällt.
Der Beruf entscheidet mit
Neben dem Gesundheitszustand spielt bei Selbstständigen die ausgeübte Tätigkeit eine wichtige Rolle. Manche Berufsbilder werden von privaten Krankenversicherern grundsätzlich nicht angenommen – darunter fallen häufig neuere, noch wenig etablierte Tätigkeiten wie etwa Content Creator oder Online-Händler ohne festes Geschäftsmodell. Der Grund: Die PKV ist auf eine lebenslange Mitgliedschaft ausgelegt. Bei Berufen, deren wirtschaftliche Zukunft schwer einzuschätzen ist, besteht das Risiko, dass jemand die Beiträge später nicht mehr stemmen kann und im Notlagentarif landet – eine Situation, die weder im Sinne des Versicherten noch des Versicherers ist.
Die unterschätzte Gefahr: längere Krankheit
Ein häufiger Stolperstein, besonders bei gesetzlich versicherten Selbstständigen, ist das Risiko einer längeren Erkrankung. Wer den ermäßigten GKV-Beitragssatz wählt, zahlt zwar weniger – hat dafür aber gar keinen Anspruch auf Krankengeld. Auch beim regulären Beitragssatz greift das Krankengeld erst nach gut sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit, was für viele Selbstständige bereits eine spürbare Einkommenslücke bedeutet.
Deshalb gilt: Eine private Krankentagegeldversicherung ist für Selbstständige praktisch unverzichtbar. Der Vorteil liegt in der individuellen Gestaltung – Karenzzeit und Tagessatz lassen sich passgenau auf das tatsächliche Einkommen zuschneiden. Wer wenig finanzielle Reserven hat, sollte eine kurze Karenzzeit von zwei bis drei Wochen wählen. Manche Anbieter ermöglichen sogar eine Absicherung bereits ab dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit.
Wichtig zu wissen: Die Wahl des regulären GKV-Beitragssatzes bindet Selbstständige oft für bis zu drei Jahre an ihre Krankenkasse – ein Wechsel in die private Krankenversicherung ist in dieser Zeit ausgeschlossen.
Beitragsnachzahlungen nicht unterschätzen
Wer als Selbstständiger schwankende Einnahmen hat, sollte ein weiteres Risiko der GKV im Blick haben: Nachzahlungen. Anders als in der PKV richtet sich der Beitrag nach dem tatsächlichen Einkommen. Steigen die Einnahmen im Lauf des Jahres und wurden zu niedrige Beiträge gezahlt, wird die Differenz nachträglich fällig – und das kann sich schnell zu einer größeren Summe summieren.
Nicht jeder Selbstständige braucht die PKV
So oder so gilt: Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wer gerade erst in die Selbstständigkeit startet, sollte sich vielleicht zunächst die Frage stellen, ob dieser Weg langfristig tragfähig ist. Auch hier macht es einen Unterschied, ob jemand komplett auf eigenen Beinen startet oder ein bestehendes Unternehmen mit vorhandenem Kundenstamm übernimmt – Letzteres bietet von Anfang an eine deutlich stabilere Basis.
Eine Faustregel bleibt in jedem Fall gültig: Die Entscheidung für die PKV sollte niemals primär aus Kostengründen fallen. Wer sich noch unsicher ist, kann sich mit einer Anwartschaft den späteren Zugang zur privaten Krankenversicherung sichern, ohne sich sofort festlegen zu müssen. Das Hauptargument für die PKV bleibt in allen Bereichen – ambulant, Zahn und stationär – die bessere Versorgung, ein Punkt, der angesichts anstehender Reformen in der gesetzlichen Krankenversicherung zunehmend an Bedeutung gewinnt.